„Stilles Schweigen“, Archivfotografie, Psychiatrie
Die Verbrechen des Nationalsozialismus geschahen nicht im Verborgenen. Menschen mit psychischen Erkrankungen, Menschen mit Behinderungen sowie homosexuelle Frauen und Männer wurden ausgegrenzt, entrechtet, zwangssterilisiert und ermordet. Dies geschah nicht außerhalb der Gesellschaft, sondern in ihrer Mitte. Viele Menschen wussten mehr, als später behauptet wurde. Angehörige erhielten fragwürdige Todesnachrichten. Menschen verschwanden aus Einrichtungen, Nachbarschaften und Familien. Gerüchte verbreiteten sich, Fragen wurden gestellt und doch oft nicht weiterverfolgt. Das Wissen war da. Was fehlte, war der Widerstand. Mit dieser Arbeit möchte ich nicht nur an die Opfer erinnern, sondern auch die Rolle der Gesellschaft sichtbar machen. Die Verbrechen wurden von Menschen geplant und ausgeführt, aber sie wurden auch durch Schweigen, Wegsehen und Gleichgültigkeit ermöglicht. Die Frage gehört deshalb nicht allein der Vergangenheit. Ausgrenzung, Feindbilder und Diskriminierung existieren bis heute. Oft betreffen sie Menschen, die nicht zur eigenen Gruppe gehören. Solange das Unrecht die „Anderen“ trifft, scheint es viele nicht zu berühren. Doch Gleichgültigkeit schützt niemanden. Eine Gesellschaft wird nicht nur durch ihre Täter geprägt, sondern auch durch jene, die wegsehen. Zu sagen „Ich habe es nicht gewusst“ oder „Es betrifft mich nicht“ entbindet nicht von Verantwortung. Diese Arbeit fragt danach, was geschieht, wenn Schweigen lauter wird als Mitgefühl und welche Verantwortung wir heute tragen, wenn Menschen ausgegrenzt, entwürdigt oder ihrer Rechte beraubt werden.
„Jenseits der Politik“, Illustration
Rote Anemone, auf Hebräisch Kalanit, stehen als stille Zeichen des Erinnerns. Sie erinnern an das Nova-Musikfestival (Supernova Sukkot Gathering) und an die Menschen, deren Leben durch den Terrorangriff vom 7. Oktober 2023 ausgelöscht wurde. Die Anemone, die Jahr für Jahr an derselben Stelle erneut erblüht, verkörpert zugleich Zerbrechlichkeit und Widerstandskraft, sie steht für Leben, Erinnerung und das Fortbestehen trotz Verlusts. Seit dem 7. Oktober hat die Zahl antisemitischer Angriffe auf jüdische Menschen und Institutionen weltweit spürbar zugenommen. Die auf dieser Karte verzeichneten Vorfälle umfassen ausschließlich gemeldete oder öffentlich dokumentierte Angriffe. Viele weitere bleiben unsichtbar, werden nicht erfasst oder nie ausgesprochen. Diese Arbeit bewegt sich bewusst jenseits politischer Debatten. Sie richtet den Blick auf Erinnerung und menschliche Erfahrungen, auf die Spuren, die Angst, Trauer und Ausgrenzung sowohl im öffentlichen Raum als auch im persönlichen Leben hinterlassen. Sie verstehet sich nicht nur als Dokumentation, sondern auch als Erinnerung daran, dass hinter jeder Zahl ein Mensch steht, mit einer eigenen Geschichte, einem eigenen Leben und einem Verlust, der nicht rückgängig gemacht werden kann.