Titel: Jenseits von Hormus
Alle sprechen über Hormus. Doch für rund 90 Millionen Menschen besteht die Realität seit Jahren aus Leid, Gefängnis und Hinrichtungen. Während in Deutschland jeden Morgen über Benzinpreise diskutiert wird und sich viele informieren, wie teuer das Tanken heute ist, informieren wir Iraner*innen uns jeden Morgen über die Zahl der Hinrichtungen, über Menschen, die ohne rechtsstaatliches Verfahren hingerichtet wurden, über verschwundene Protestierende, insbesondere Frauen, und über die vielen Menschen, die in den Gefängnissen der Islamischen Republik festgehalten werden.
Während hier Vereinbarungen mit der Islamischen Republik von Friedrich Merz begrüßt werden, sehen wir keine ernsthafte Debatte darüber, ob Menschenrechte überhaupt Teil der Verhandlungen sind. Während viele Linke für den Iran, gegen Krieg und gegen Imperialismus auf die Straße gehen, sehen wir vor allem das Leid unserer Angehörigen. Die Hoffnung von Millionen Menschen auf Freiheit wird gegen einen vermeintlichen Frieden eingetauscht. Erneut werden politische und wirtschaftliche Interessen höher gewichtet als Menschenrechte, während Politiker*innen Geschäfte mit einer islamistischen Diktatur machen.
Wir vergessen schnell. Und wir lernen offenbar nie aus der Geschichte.